Samstagnacht…

hqdefault (2)In manchen Momenten ist der Mensch vielmehr dem Absurden zugeneigt, sodass jener oder jene nicht bemerkt welch absonderliche Show „er“ bzw. „sie“ vor einen zufällig anwesenden Publikum abzieht. So betritt der Mann oder die Frau aus freien Stücken eine lächerliche, befremdende Welt, um in skurriler Kulisse sonderbare Bewegungsformen auszuüben. Und dabei ist das Wichtigste, dass eine bestimmte Menschenansammlung, gegenwärtig ist. So zu sagen die Hauptpersonen, welche die Location zu dem machen, was es ist, eine Aufreißzone für Ungeübte, Möchtegern-Checkers und Übergebliebene.

Zumal sind wieder genug Leute gekommen. Eine gutes Durcheinander aus Spießer, Partytypen und Freaks. So zu sagen von jeder Sorte ein paar, wie der kleine pummelige Würde-so-gerne-aber-nur-wie-Typ, der schlaksige Zahnlose, jener mit den Stielaugen, der eine mit der älteren Frau an seiner Seite, der freche Kerl, welcher die Mama vom Hocker scheucht und auch der hübsche Kellnertyp mit Akzent.

Und dazwischen all unser weiblichen Akteure. Das ist ganz wichtig, den über manch Typus Frau lässt es sich gut ab lästern. Wenn alle gleich aussehen würden, über wen sollten man dann reden? Und natürlich braucht man auch ein paar brave Mädchen, ein paar langweilige und ein paar aufregende Damen, wie zum Beispiel die Tigerlady, die eventuell heute Nacht noch einen abbekommt.

Anderseits gibt es da auch noch jene Dame, welche auf junggetrimmt macht, im Lingerie-Look, bestehend aus einen glitzerndes Kleidchen mit Spaghettiträger ohne BH, mit wasserstoffblonder Wallermähne und einem Gesicht Mitte Fünfzig, die nach allem Anschein heute alleine nach Hause gehen wird.

Daneben verrenkt sich die eine in weißen Netzstrümpfen, mit Tarnminirock und hohen Stiefeln in den Armen eines älteren Typ, welcher sie gekonnt über die Tanzfläche wirbelt.

Ein paar andere Frauen sehen wie Models aus. Jene hochgewachsenen, edel bekleideten Damen, die in Position gebracht und schön drapiert dastehen, um von allen Seiten bewundert zu werden. Aber man braucht auch das Gegenteil dazu. Denn Männer trauen sich ja nie, die Hübschesten anzusprechen. Die gehen zu den weniger Attraktiven, weil sie sich denken, diese leichter abschleppen zu können oder wenn sie eventuell doch einen Korb bekommen, ist es nicht so peinlich und leichter wegzustecken. Wenn die richtige Mischung auf einander trifft, dann läuft die Nacht gut.

Und dann gibt es noch die etwas voluminösen Damen, die nicht jeden von der Bettkante stoßen würden und die süßen Mädchen mit dem Allewelt-Gesicht, welche sich gerade noch in den unterschiedlichsten Haarfarbnuancen unterscheiden, in der Hoffnung heute Nacht auch einen für sich gewinnen zu können. Jenen für die Ewigkeit.

Darüber hinaus spielt der Discjockey eine wichtige Rolle an diesem Abend, den nicht jeder kann einfach so ein DJ sein. Denn wer auflegen will, braucht Fingerspitzengefühl bei der richtigen Musikauswahl , welche von der Energie im Raum abhängig ist und einen guten Riecher für die richtige Mischung aus allseits beliebten Klassikern und neuen musikalischen Hits. Abgesehen davon sollte er auch ein paar Regeln kennen, wie jene, die da lautet: Man tastet sich von Lied zu Lied vor.

Heutzutage gehen die meisten sofort eine rauchen oder aufs Klo, wenn sie nicht von der Musik mitgerissen werden. Die Leute wollen Hits, zu den sie wildgestikulierend über die Tanzfläche hopsen können. Wenn keiner mehr tanzt, muss eine Notbremsung mit einer Klassiker-Clubhymne gemacht werden. Deshalb stecken nun in vielen aktuellen Tracks der Staub von vorgestern, da wurde schon sehr tief in die Kiste gegriffen, um das alte Zeug überhaupt noch hervorzukramen. Momentan scheinen besonders Neuauflagen von Songs aus den 90ern angesagt zu sein. Scheinbar krallt sich so mancher namhaften Künstler einen Hit von gestern und poliert diesen frisch auf. Und so trällert auch heute Nacht Haddaway sein Lied „What Is Love“ in seiner neuen aufgepeppten Version aus der Musikbox. Und das nennt man dann Remix. Der DJ hat sich zwar ein bisschen zu schämen, wenn er gerade diesen alte Hadern spielt, aber es funktioniert. Besonders wichtig ist, dass man nicht die ganze Zeit mit Vollgas dahin brettert, sondern einen musikalischen Bogen durch die ganze Nacht spannt. So wird gegen Ende der Nacht die Musik ein bisschen leiser – das merken die Leute gar nicht bewusst. Und der DJ spielt wieder ruhigere Sachen.

Dabei ist jener mit den Stielaugen die ganze Nacht von einer zu anderen gezogen und hat eventuell einen Kuss erhascht, doch was ihm bleibt ist eine Erektion in der Hose, die keiner mit ihm entladen will. Angepisst lehnt er an der Theke und begrapscht als einziges dabei sein Handy.

Resigniert muss der Würde-so-gerne-aber-nur-wie-Typ erkennen, dass er es heute Nacht abermals nicht geschafft hat, über seinen Schatten zu springen und er sich schon wieder alleine in seine Decke kuscheln muss.

Der eine mit der älteren Frau, der allzu gerne zu mir rüber geschaut hat, ist still und heimlich mit ihr verschwunden.

Der Kellnertyp, der auf der Tanzfläche sooft die Nähe zu mir gesucht hat, kriegt einen Korb von mir. Dabei schenke ich ihm noch ein Es-tut-mir-leid-Lächeln.

Mit dem Abschlusslied vom rosaroten Panther endet das Spektakel. Wer hat an der Uhr gedreht? Ist es wirklich schon so spät?

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David Wonschewski | Autor

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