Grau bleibt Grau – Schattierungen hin oder her!

Advanceyourstyle-modeblog-berlin-trend-herbst-winter-Trendfarbe-Herbstfarbe-Titelbild-neu-GrauEs tut mir leid, aber ich habe es getan. Selbst in diesem Moment kann ich es mir nicht einmal plausibel erklären, warum es überhaupt dazu gekommen ist. Aber ich habe es getan. Wahrscheinlich aus einer Laune heraus. Aus einem naiven Anflug von Neugier. Doch jetzt wünsche ich es mir nicht getan zu haben. Es greift unbarmherzig in die tiefsten Tiefen meines Unbewussten und befreit Urgewalten aus den loyal gestimmten Schatten, der sie gnädiger halber für mich dort verwahrt. Nun bin ich ein Opfer meiner selbst und ich könnte vor Zorn in tausend Teile zerspringen. So leicht habe ich mich aus der Reserve locken lassen und jetzt brenne ich in meinen vernichtenden Empfindungen meines eigenen Geschlechtes gegenüber. Und alles nur weil ich es gelesen habe.

Viele haben es auch schon gelesen. Viele fanden es sogar gut. „Mitreißend“, „spannend“ und „anregend“. Außerdem wollen viele ernsthaft darüber reden. Ihr Mitteilungsbedürfnis ist dabei ungebremst. Und nach einem langen Hin- und Herüberlegen möchte ich auch darüber reden. Über den Hausfrauenporno schlecht hin. Ihr werdet es vielleicht schon ahnen. Es handelt sich um den Bestseller „Fifty shades of grey“!

Aber sind wir doch einmal ehrlich, wenn man hinter die amouröse Fassade schaut, auch wenn es vielleicht nur ein kurzer Blick ist, kann es einem doch ziemlich die Füße unter den Boden weg ziehen. Oder? Als „normale“ Frau kann man sich kaum der gnadenlosen Kritik an seiner eigenen bruchstückhaften Weiblichkeit – wohlgemerkt ohne Schaden davon zu tragen – entziehen.

Obwohl es für mich solch einen Bart mit sich zieht und ich nicht die Idee, welche wirklich dahinter steckt, erkennen kann, stellt sich mir die Frage, warum schreibt „frau“ so etwas? Es ist nicht die Liebesgeschichte an sich und auch nicht der Bezug auf den Sadomasochismus, welcher mich stört, sondern die Verpackung und die Art wie damit umgegangen wird. Es entsteht ein falsches Bild von etwas, was viele von uns anders in Erinnerung bzw. erlebt haben und vielleicht dadurch ins Grübeln kommen und sich denken, stimmt etwas nicht mit mir. Dieses scheinheilige Getue, gut versteckt zwischen den Zeilen, das man die Erfüllung finden, wenn nur der Richtige auf der Bildfläche erscheint. Meiner Meinung nach ist die sexuelle Reife ein Prozess, hindurch „frau“ sich jahrelang kämpft, den aber unsere weibliche Hauptfigur nicht durchlebt. Ihre Sexualität entspringt aus dem Nichts, wobei nicht nachvollziehbar ist, woher diese so plötzlich kommt, da sie all die Jahre zuvor niemals sexuell aktiv war und wohlgemerkt auch nie das Bedürfnis verspürte selbst Hand an sich zulegen. Das scheint mir doch sehr fragwürdig, wenn man auf seinen eigenen Lebenslauf zurückblickt und erkennt, wie lange man an sich gearbeitet oder ausprobiert hat, bis „frau“ bestätigen kann sexuelle Erfüllung erleben zu können. Und trotz alldem steht man immer wieder vor einem neuen Wandel und entwickelt sich weiter. Aus diesem Grund kann ich die Motive der Autorin, uns mit so einem „Frauenbild“ zu konfrontieren, nicht erkennen. Sollen wir dieses reine, jungfräuliche Ding sympathisch finden? Also bei mir löst es das Gegenteil aus.

Blicken wir einmal genauer hin, da ist diese junge, naive Frau, welche in jeder nur erdenklichen Situation errötet und selten ohne die Anweisung von außen eine Überlebenschance hat, da sie ja kaum von sich aus etwas Essbares zu sich nimmt und anscheinend an der Unfähigkeit leidet, ihre Angelegenheiten selbständig in die richtigen Bahnen zu lenken. Dank ihrer Freundin, weiß sie jetzt das es Intimrasuren gibt! Und ich muss es an dieser Stelle erwähnen, es ist so beneidenswert, dass sie das Phänomen störender Haarstoppel anscheinend nicht kennt, denn allzu selten greift sie zu Gegenmaßnahmen. Da müssen wir Normalo-Frauen nur so staunen, denn wie allzu oft stehen wir unter der Dusche und nehmen den aussichtslosen Kampf gegen die lästige Körperbehaarung auf. Unsere weibliche Hauptfigur hat es da viel leichter. Sie ist von Natur aus schön. Braucht niemals Make-up und schwört auf ein minimalistisches Styling. Wenn man bedenkt wie viel Zeit wir „normalen“ Frauen vor dem Spiegel und vor unserem Kleiderschrank verbringen, um alltagstauglich auszusehen. Da haben wir wirklich die Arschkarte gezogen, wenn man von solch Frauen liest, die immerzu perfekt erscheinen, mit ein wenig Röte im Gesicht, egal in welcher Lebenslage sie sich befinden.

Um eines klar zu stellen ich bin keine aktive Feministin, aber ich fühle mich doch verpflichtet die Verantwortung für die gewonnen Rechte und Freiheiten der Frauen mitzutragen. Zuviel hängt daran. Deshalb kann ich die Leitmotive hinter diesem Buch nicht erkennen. Als Leserin macht es mich nur wütend und als Frau stempelt es mich als absolute Loserin ab.

Zumal kommt ein desolater Mann daher, ganz gentlemanlike, welcher der Protagonistin sagt, wann sie essen oder trinken, ins Bett gehen und „kommen“ soll. Sie ganz selbstbestimmend: Ja, sir! Wiederum gesehen, kann man als Frau nachvollziehen, das sich in diesen Momenten, in denen es um einen zu knistern beginnt, der Verstand abschaltet. Und auch wenn wir immer wieder lautstark behaupten, nicht auf die Avancen eines reizenden Mannes hereinzufallen, tun wir es trotzdem. Das ist sicher schon fast jeder von uns passiert! (Augenzwinkern). Doch da kommt das große ABER. Und an dieser Stelle trifft es uns gnadenlos. Es ist ein massiver Vorwurf, welcher uns erbarmungslos darauf hinweist, das wir Normalo-Frauen an dem Unvermögen leiden, multiplen Orgasmen erleben zu wollen. Und an all diejenigen, die beim ersten Mal nicht gekommen sind. Schande über uns. Und da kann ich mich nicht einmal herausnehmen. Obwohl ich insgeheim glaube, dass es berechtigt erscheint, beim ersten Mal nicht kommen zu müssen, da so vieles um einen und mit einem passiert, dass man kaum in der Lage ist, diese Aufregung, vielleicht auch panische Erwartung, in Erregung umzuwandeln.

ABER hier wird uns eine Frau präsentiert, jung, schlank, naiv, immer rot im Gesicht, völlig aufgelöst in ihrem Gefühlschaos und ständig bereit, vor allem wo sie doch jahrelang keinen einzigen Gedanken an ihre eigene körperliche Lust und dessen Befriedigung verschwendet hat. Von Null auf gleich ist ihre sexuelle Lust erwacht. Phänomenal. Ehrlich gesagt, ich hätte gerne diesen Knopf an mir, der mich sofort in den Erregungs-Modus bringt, somit wäre mein Alltag um vieles leichter. Es gäbe diese endlos Diskussionen nicht, warum ich heute keinen Bock auf Sex habe. Ein herrlicher Gedanke – einmal gedrückt: Juchhe, ich komme!!!

Und dann noch, so um noch etwas mehr in die Wunde hinein zu streuen, diese Frau hat „sofort“ die Fähigkeit erlangt, in ihren multiplen Orgasmen zu zerspringen , sich völlig darin aufzulösen und sich ihrer Lust ganz und gar hinzugeben. Geben wir es einmal zu, wir sind für den Scheiterhaufen verurteilt. Da wir Normalo-Frau eventuell nur einen „mickrigen“ Orgasmus, welcher gerade so durch den Körper zwitschert, zusammenbringen, weil es die Umstände gerade nicht anders zulassen. Knall auf Fall sind wir, die nicht die Möglichkeit nutzen wollen oder können, sich der absoluten körperlichen Erfüllung hinzugeben, wie auch immer die aussieht, diskriminiert. Es löst ein ungutes Gefühl in der Magengegend aus und „frau“ kommt sich, wie auf die Füße getreten vor, weil „frau“ nicht so kann. Und auch wenn „frau“ es sich einreden möchte, es ist für jeden nicht wichtig und es muss doch nicht für jeden das Gleiche gelten, beschäftigt es einen doch und man grübelt darüber nach. Und dieser Ärger nur wegen einer Frau, die versucht hat eine andere Art von „romantischer Liebesgeschichte“ auf Papier zu bringen.

Dabei überkommt uns das Grauen und der Neid könnte uns auffressen! Es ist auch so ungerecht. Wie kann „frau“ den ganzen Tag ohne Essen auskommen? Es tut mir leid, aber ich esse allzu gerne und deshalb besitze ich auch eine Bridget Jones- Figur und versuche meine Kurven mit Shapewear in die richtige Form zu bringen.

Da bin ich froh darüber, das es doch hin und wieder Filme gibt, welche die literarische Vorlage kilometerweit abhängen – und der Blockbuster „Fifty Shades of Grey“ glücklicherweise dem Original der handelnden Personen nicht so nahe kommt. Durch seine weniger aufregende Ausführung und die offenbar kalkulierten Art die Liebesgeschichte im rechten Licht zu präsentieren finden die handelnden Protagonisten in dem Film nicht den Zugang zu meinen Unterbewussten, sodass die Urgewalten dort bleiben, wo sie hingehören. Gut verdrängt in den Schatten, der sie hütet, wie ein Schäfer seine Schäfchen. Mit ruhigen Gewissen folgt „frau“ der durchaus überzeugenden Schauspielerin durch den Film, die weniger den Unmut in einem rührt, als vielmehr die Sympathie weckt. Im Vergleich zu der weibliche Hauptfigur im Buch. Auf die „frau“ gerne so manchen Blitz abwerfen würde!

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