Ganz schön alt und zahnlos!

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In meine Gedanken verirrt sich manch Absurdes. Es scheint nicht für jeden gerade sinnvoll, seine Zeit mit denselben Gedankenbilder zu verbringen. Doch manches lässt sich nicht so leicht aus dem Kopf entfernen. Will immer wieder von selbst durchdacht werden. Und so hänge ich mich auch allzu oft hinein. Kämpfe mich durch meine Hirngespinste. Wälze sie hin und her. Und ich komme zu der Erkenntnis, dass es immer wieder dieselben Themen sind, die sich in den Vordergrund drängen. So habe ich vor kurzen eine lustige „Whatsapp“ erhalten. Es brachte mich zwar zum Schmunzeln und dazu es mit anderen zu teilen. Aber schlussendlich ließ es wieder etwas zurück, nämlich diesen bitteren Beigeschmack. – Es lautete ungefähr so:

Quizfrage des Tages: Wer pfeift noch hinter Frauen über 40 nach? Kurz darauf erscheinen ein pfeifender Kelomat und ein sich im Lachen auflösender Hund.

Und wenn es auch nur als Scherz gemeint ist, hinterlässt es seine Spuren. Und in meinen Gedanken versunken, formt sich ein melancholisches Gedankenbild:

Im Schein der Morgensonne stehe ich in der Tür, mit einen dampfenden Kaffeebecher in der Hand und sehe ihr hinterher. Sie winkt mir noch einmal zum Abschied. Solch strahlende Augen. Ein rosiges Gesicht. Und ihr liebreizendes Lächeln bleibt. Für immer! Und mit Tränen in den Augen bleibe ich zurück.

Es rinnt mir durch die Finger – die Zeit. Fließt hindurch, tropft zu Boden und versickert vor meinen Füßen auf nimmer wiedersehen. Doch ihr Lächeln bleibt. Für immer!

So hat die Zeit viele lächelnde Gesichter und ein freundlich gemeintes „Hallo“ mitgebracht, doch eines Tages schleppt die Zeit aber auch die ersten respektvollen Gesichter mit einem ernstgemeinten „Grüß Gott“ auf den Lippen heran. Und dabei jagt es mir kalt den Rücken hinunter. Welch furchtbare Wirkung höfliche Worte haben können. Es ist nicht die Begrüßung an sich, sondern es ist diese natürliche Achtung, welche einem ab einen gewissen Alter entgegen gebracht wird und man erkennt das man sich von der eigenen jugendlichen Erscheinung verabschieden muss. Und das einzig was bleibt, ist ihr liebreizendes Lächeln. Für immer!

Wie oft würde man am liebsten die Zeit anhalten, um so viele versäumte Dinge nachholen zu können. Oder wie allzu gerne würde man den natürlichen Alterungsprozess stoppen, um neue Chancen ausloten zu können. Aber es läuft uns einfach durch die Finger. Tropft auf den Boden und verschwindet in den vielen Rissen und Spalten für alle Zeit.

Wenn wir einmal ehrlich sind, und dies können wir hier gerne einmal sein, es ist fast unmöglich, als Frau, ohne Angst alt zu werden. Es liegt eine große Herausforderung darin, mit Gleichgültigkeit auf den körperlichen Zerfall zu reagieren. Aber wer schafft dies wirklich? Wer kann guten Gewissen behaupten, gerne alt zu werden? Ich kann es nicht. Und wie ist es mit euch da draußen?

Mit ein paar kleinen Tricks können wir dem Älter werden eine geraume Zeit entgegenwirken, aber im Endeffekt können wir es nicht verhindern. Der Menschen ist dem Schönen zugeneigt. Große Augen und weit offen stehende Münder bezeugen es. Schönheit unterliegt dem Wandel der Zeit, den gesellschaftlichen Konventionen. Doch Falten sind nicht immer schön anzusehen. Dicke Furchen, eingestanzt in trockener Haut symbolisieren kein Schönheitsideal, das erstrebenswert erscheint. Zahnloses Lächeln zaubert kein Lächeln auf andere Lippen.

Doch eins scheint im Moment noch tröstlich. Es unterliegt nicht unserer Macht, es auf zu halten. Da bleibt uns nichts anderes über, als ein liebreizendes Lächeln. Die Erinnerung an etwas, das war.

Wer hat an der Uhr gedreht? Ist es wirklich schon so spät? Stimmt es, dass es sein muss: Ist für heute wirklich Schluss? Wir beugen uns, nehmen es an und leben unser Leben, bis es zu Ende geht. Aber eins kann uns in diesem Augenblick noch froh stimmen. Nicht unbedingt heute, morgen oder übermorgen. Und dabei winkt sie uns zu. Schickt uns ihr liebreizendes Lächeln und es bleibt. Für immer!

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