Eben doch!… (2. Kapitel)

Heute ist wieder so ein Tag, der sich nicht von den anderen unterscheiden möchte. Genauso einer, an welchen ich frühmorgens mit einem faden Auge aufstehe, mich bis auf weiteres zurecht mache und in die Arbeit gehe. Dort verbrauche ich mit ein paar Handgriffen Stunde um Stunde, bis die Uhr das Ende anzeigt. Auf Straßen jagen dann alle dem Feierabend hinterher. Und wie am Fließband, drängt Auto um Auto von Ampel zur Ampel. Denn da drücke ich erst das Gaspedal durch, um an der nächsten Ampel schon wieder rasch abzubremsen. Der Motor trommelt.

Hier kann ich nicht parken. Dass kann ich abschreiben. So fahre ich meine Kreise. Suche herum. Bin schon durchgeweicht.

Ewigkeiten später komme ich endlich durch die Wohnungstür. Ein kurzes Hallo. Ein kleines Lächeln.

Jetzt sitzen wir bei Tisch. Marlene arbeitet sich durch den Stoß Post. Unterdessen öffnet sie schon den Umschlag und bekundet den Inhalt.

Wie hast du dich entschieden?, fragt sie.

Was meinst du?

Tu nicht so! Fährst du hin oder nicht?

Sie hält mir die Einladung hin. Darauf ein Bild. Elias und eine hübsche Frau lachen mir entgegen.

Wieso will er unbedingt heiraten?, sage ich leise. Mehr zu mir als zu ihr.

So etwas. Unerhört! Jemand aus deiner Schubladen-Familie will heiraten, sagt sie. Und ich kann es raushören. Den sarkastische Unterton.

Da gebe ich ihr keine Antwort.

Und ich weiß, dass sie von dem Platz wissen will, wo ich her komme. Von dem Ort, wo ich aufgewachsen bin. Von den Leuten, die dort leben. Aber ich brauche keine Gerede darüber.

Ich glaube nicht dass meine Eltern angenehm sind. Und sie würden sie nicht mögen.

Mutter würde fragen: Passt die zu uns?

Bildest dir viel ein und hältst dich für etwas besseres, würde mein Vater sagen.

Dabei würden sie uns von oben bis unten mustern. Regelrecht absuchen. Und auch wenn sie nichts Befremdliches finden würden, würden sie uns mit Argwohn gegenüber stehen.

Dort gehörst du jetzt hin! Und bleib auch dort!, würde mein Vater sagen. Währenddessen würde er sich schon umdrehen und kopfschüttelnd weg gehen.

Du hast viel gut zu machen, würde meine Mutter sagen. Und auch sie würde uns dann den Rücken zukehren.

Nur der Gedanke daran macht mir schon Herzklopfen. Ich bin froh hier zu sein. Wo es nichts, gut zu machen gibt.

Und jetzt mache ich es auf meine Art. Ich fahre ein teures Auto. Schenke Sachen. Gehe essen. Und rede wann immer ich will. Und niemand stört sich daran.

Wo bist du?, reißt sie mich aus den Gedanken.

Lassen wir das, da erhebe ich mich schon. Gehe. Und ich nehme die Karte mit.

Du kannst nicht immer abhauen, wenn es für dich unangenehm wird, schreit sie mir hinterher.

Ich überhöre es. Verziehe mich in das einzige Zimmer, das mir alleine gehört. Mein Büro. Der eine Raum, gerade genug für meine Ideen. Dort fällt mir etwas einfällt.

Doch hält sie sich nicht daran. Ungeniert öffnet sie die Tür. Kommt herein. Ich sitze auf dem Sofa in der linken hinteren Ecke, die Karte in der Hand und starre auf das Bild.

Ihr seht euch sehr ähnlich, meint sie: Seid ihr euch nahe?

Sie kommt zu mir. Setzt sich auf meinem Schoß. Lehnt sich gegen mich. Gibt mir einen Kuss auf die Wange. Dort wo ihr Körper auf meinen trifft, wird es wollig warm. Und ich mag es. Ich mag sie. Sie scheint wirklich für mich gemacht zu sein.

Doch mit keinen Wort komme ich ihr zu nahe. Sie bemerkt es sogleich.

Und meint: Du weichst mir aus.

Was willst du hören? Verwandtschaft kann man sich eben nicht aussuchen.

Das kannst du nicht ernst meinen. Ihr seid Brüder! Da muss doch mehr sein.

Kannst du das bitte jetzt einmal lassen?

Aber es scheint ihm sehr wichtig zu sein, dass du dabei bist, sagt sie mit Nachdruck.

Es geht nicht!

Ich hab das Gefühl du schlägst absichtlich mit deinem Kopf gegen die Wand!

Rede keinen Quatsch. Ich habe dort nichts verloren. Er wird es auch ohne mich hinkriegen.

Wie lange warst du nicht mehr dort?

Ich sage: Jahre.

Mit ebensolch Augen schaut sie mich an.

Es ist doch eine gute Gelegenheit, dort hin zu fahren. Vielleicht würde es jetzt einmal Zeit!

Nein!

Da erhebt sie sich. Geht. Und nimmt das Gefühl mit.

So bleibe ich zurück. Eingeweicht im eigenen trüben Saft.

Nun wohnen wir zusammen. Sie hat keine Minute gezögert, als ich sie fragte. Und wenn sie mich anschaut, dann wird mir einfach so. Und dafür kann ich sie noch mehr leiden. Sie bedeutet mir viel. Wahrscheinlich mehr als ich mir selber eingestehen kann.

Doch was allerdings schon lange vergessen und beendet ist, kommt nicht mehr. Und so soll es auch bleiben!

Wochen später sind die Koffer gepackt und im Auto verstaut. Die Sonne scheint. Der Wind weht freundliches Vogelgezwitscher zu uns herüber. Wir fahren los.

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David Wonschewski | Autor

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