Raschelnde Röcke (4. Episode)

 

Nico:       

… und es ist auch zum Kotzen. Onkel Alex lauert hinter jeder Tür in dieser beschissenen Wohnung.

Egal welche ich öffne, sogleich erfolgt das Feuer: Es hat keinen Sinn, solange du bist wie du bist!

Öffne ich die nächste, schallt es wieder in meinen Ohren: Ich frage mich, was aus dir noch werden soll!

Reiße ich eine weitere auf, stehe ich wieder innerhalb des Brennpunktes: Mache endlich einmal das, was man dir sagt!

Dabei starre ich in ebensolch Augen. Und da muss ich einfach nur weg. Und dann laufe ich auf die Straße – und immer weiter und weiter. Solange, bis die Luft weg bleibt, es die Kehle hinunter brennt, das Klopfen im Herzen fast den Brustkorb sprengt, das Gesicht knallrot glüht und es in meinen Kopf wild rauscht. Dann erst komme ich zum Stillstand.

Schnaufend sitze da. Es ist dämmrig geworden. Die Straßenbeleuchtung geht an. Die Straße menschenleer. In diesem Moment erreicht mich ein seltsames Gelächter. Drei Gestalten brechen aus düsterer Kulisse. Rund um mich wird es kühler. Verstohlen beobachte ich aus dem Augenwinkel die vorbei ziehenden Personen. Zwangsläufig blicke ich ihr ins Gesicht. Sie lächelt mich an und zwinkert mir zu. Danach schaue ich ihr hinterher und es kommt mir so vor, als würden ihre Füße den Boden kaum berühren. Und scheint es auch völlig verrückt, aber trotz alldem bilde ich mir die zarten Umrisse von samtweichen Flügel auf ihren Rücken ein. Ja, es ist völlig absurd – aber irgendetwas an ihr wirkt so engelhaft.

Soll ich ihr hinterher?, denke ich mir.

Und dann zögere ich doch noch ein wenig…

Alsbald stehe ich vor diesem Club. Und da sehe ich mich einer Gesellschaft eigenartiger Gestalten gegenüber.

Der Türsteher schüttelt mit den Kopf. Sogleich verschränkt er die Arme vor der breiten Brust und sagt zu dem Typen vor ihm trocken: Du kommst hier nicht rein!

Die Security-Leute bilden sich sehr rasch eine Meinung, Und jene, die so nach Ärger stinken, werden direkt fortgeschickt.

Du aufgeblasenes Arschloch! Du kannst mich einmal, schreit dieser verärgert: Spielst dich hier auf. Zu mehr reicht es nicht!

Der Türsteher spannt sich vor dem tobenden Gast auf und meint kühl: Ich zeige dir, wozu es reicht. Du bleibst draußen und der da hinten darf rein.

Der schwarz gekleidete Mann mit dem Nietenarmband winkt mir zu und lässt mich in den Club. Und die anderen Leute, die noch in der Schlange stehen, spitzen die Ohren und ziehen solch Gesichter.

Und drinnen hämmert die dröhnende Musik auf meine Ohren ein. Ich gehe die riesengroße Tanzfläche entlang. Große Schwaden an Trockeneisnebel hängen darüber und das nervöse Spiel der Farbspots verwandelt den Club in eine schaurige Illusion. In der zuckenden Beleuchtung wirken fliegende Haare und raschelnde Röcke wie ein seltsamer Spuk. Mit fiebrigem Blick suche ich nach ihr – und da erhellt sich für einen Moment die Tanzfläche im bläulichen Licht. Und überall leicht bekleidete, schweißglitzernde, wild durcheinander kreischende Gestalten.

Ihre anmutige Gestalt löst sich ebenso aus der Dunkelheit. Nun beobachte ich sie beim Tanzen. Und dann traue ich mich doch.

Hallo. Ich heiße Nico!, sage ich. Und so das sie es auch hören kann.

Unter den schräg geschnittenen Pony blicken mir zwei strahlende Augen entgegen. Ihre Haut und ihre vollen Lippen in Pastell getunkt. Eine schmale, gradlinige Nase ziert die Mitte des hübschen Gesichtes.

Ich heiße Julie, erwidert sie. Und soeben fällt sie mir um den Hals.

Und meine Hände legen sich wie selbstverständlich an ihre Hüften. Ihr Schwung reißt mich mit. Es fährt mir unter die Haut und entzündet das Feuer. Im Kopf ein lautes Feuerwerk – wildtanzende, ruhelose Synapsen. Und es knallt ohrenbetäubend und Funken spritzen in den schönsten Farben…

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David Wonschewski | Autor

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