Der Dämon (5. Episode)

Nico:  

Doch dann endet das Feuerwerk. Dabei begleiten mich diese Idioten unsanft aus dem Club hinaus.

Hier stehe ich in ihrem Kreis. Das Licht der Straßenlaterne über uns flackert.

Und ich kann es ihm ansehen, sein lebhaftes Minenspiel veranstaltet mitten in seinem Gesicht einen Marathon und zwängt es dabei zwischen glühendrote Wangen.

Lass deine dreckigen Griffeln von ihr, du kleiner Wichser?, schreit er.

Und ihr könnt es mir glauben, sogleich werden die ersten Funken spritzen, das Glas der Straßenlaterne laut zerspringen und dann wird es absolut dunkel. Dann werden sie sich in furchtbar bizarre Bestien verwandeln und über mich herfallen. Versteht ihr? Sie werden ihre spitzen Zähne in mein warmes Fleisch bohren und mir die Stücke vom Leib reißen. – Gottseidank, die Laterne surrt grell auf, das Flackern erstickt und es bleibt hell.

Das ist der Moment in dem ich innerlich kräftig durchatme.

Doch er starrt mich immer noch mit seinen dämonischen Augen an. Schneidet mich dabei in zwei Teile. Ich fühle mich wirklich nur mehr wie ein Stück rohes Fleisch, das sogleich in tausend Fetzen über der Straße verteilt liegen wird. – Ich weiß, bei dieser Vorstellung überkommt euch so langsam der glatte, blanke Schauer, und ihr fürchtet auch vor diesem unschöner Anblick, aber ihr werdet es aushalten müssen!

Dennoch schnaubt der Dämon deutlich hörbar durch die Nase. Er beschimpft mich. Und dabei lande ich in der Feuerhölle. Meine Haut entzündet sich und dann stehe ich in den Flammen meines aufschäumenden Zornes – und ihr liegt in euerer Annahme vollkommen richtig, das nun etwas geschehen wird – Und jetzt! Passiert es! Kawumm – meine Faust mitten in seiner dämlichen Visage. Knochen knirschen unter den gewaltsamen Aufprall meiner Knöchel. Der überdimensionale, menschliche Körper kracht auf den Bordstein auf.

Und ihr hättet euch in diesem Moment auch so entschieden! Die anderen sind abgelenkt. Ich nehme lieber meine Beine in die Hand und jage den Gehweg hinunter.

Kurz darauf ist schon ein Schnaufen zu hören. Er hat sich an meine Fersen geheftet. Ich setze beide Hände auf die betonierte Einfassung, springe ab und ziehe die Knie zur Brust, drücke mich mit den Handflächen ab, befördere meine Beine über das Hindernis und lande mit den Fußsohlen auf den Boden, federe aus den Knien und laufe weiter.

Entlang eines Stahlgeländers. Nun schlage ich seitlich aus, greife nach dem obersten Handlauf, schwinge die Beine seitlich hinüber, stabilisiere den Körper mit der anderen Hand, bevor ich mich abstoße, um mit beiden Beinen auf der anderen Seite zu landen. Geradewegs sprinte ich über den offenen Platz und verschwinde in der nächsten Gasse. Der schnaubende Dämon lässt sich aber nicht so leicht abschütteln. Er jagt immer noch hinter mir her.

Inzwischen taucht diese halbhohe Mauer vor mir auf und kurzentschlossen sprinte ich darauf zu. Springe von unten mit vorgestreckten Beinen ziemlich flach über das Hindernis, stabilisiere den Oberkörper indem ich beide Hände auf das Hindernis setze und mich dabei kräftig abstoße, um an Länge zu gewinnen. Es folgt eine gute Landung. Und dann weiter zu der Unterführung.

Geradewegs auf das nächste Mauerwerk zu. Ich komme mit den Oberkörper ziemlich nah an die Betonwand, gehe mit den Fuß gegen das Gemäuer, schwinge die Arme in die Höhe, drücke mich zeitgleich von der Mauer ab und führe sogleich die Arme wieder hinunter, drehe mich dabei in die Richtung in der ich landen möchte, springe, um auf dem gegenüberliegenden Mauersims zu landen. Jage oberhalb der Mauer entlang, bis ich an das Ende ankomme und mit einen gewagten Sprung unterhalb auf dem Asphalt beidbeinig lande. Eine Rolle über die Schulter bremst den Aufprall und nimmt den Schwung.

Danach weiter durch die Gassen. Ein dampfender und grollender Dämon im Nacken. Wiederum versperrt mir ein halbhohes Betonwerk das weitere Vorankommen. Da greife ich nach der Mauerkante, springe aus der Schrittposition ab. Komme in eine seitliche Drehbewegung. Setzt die andere Handfläche ebenfalls auf das Hindernis und dreh mich längs darüber. Mit dem außen geführten Bein komme ich als erster auf den Boden auf. Sogleich folgt aber auch schon das andere.

Unsere Jagd führt uns quer durch die Stadt. Und da kommen wir auf diesen hohen Betonklotz zugelaufen. Der Dämon einige Schritte hinter mir. Ich sprinte darauf zu. Springe, stoße mich mit den Fuß an dem Mauerwerk ab, setze mit dem anderen Bein einen weiteren Schritt, erreiche die Mauernaht, zieh das andere Bein hoch und hieve meinen Oberkörper über die Mauerkante, stemme mich empor, um mich im freien Fall zweimal um die eigenen Körperachse zu schrauben und auf der anderen Seite sicher zu landen. Doch der Dämon macht es mir gleich und landet keine halbe Sekunden später neben mir auf dem dahinterliegenden Bordstein. Wir stemmen uns hoch. Bringen unsere Gliedmaßen in Position.

„Komm her!“ kotzt er mich an.

Und ich zögere viel zu lange. Sein Adrenalinspiegel schießt währenddessen auf Maximum. Sein Blick verhärtet sich dabei. Mit einem gewaltigen Schwinger in meine Richtung eröffnet er die zweite Runde. Und da kommt mir seine Faust entgegen und ich weiche gerade noch so aus und bekomme ihm am Handgelenk zu fassen. Verdrehe es ihm schmerzhaft und zwinge ihm somit auf die Knie. Na, damit hatte er wohl nicht gerechnet.

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